Entgegen den Hochglanz-Informationen vom Wasserverband Lingener Land (WVLL) und den Aussagen des Landkreises Emsland hat der 3-jährige Pumpversuch gezeigt, dass eine langfristige Förderung nicht nachhaltig möglich ist. Er hat erhebliche negative Auswirkungen für Natur, Fauna und Flora offengelegt. Mit einem umfassenden Beitrag machen wir diese transparent und klären chronologisch und dokumentarisch die Fakten, Zusammenhänge, Konflikte und Optionen auf:
- Pumpversuch zeigt: Wasserförderung in Lengerich-Handrup ungeeignet
- Fließ-Wechselwirkungen vom Wasserverband abgestritten
- Sinkende Grundwasserstände vom Wasserverband ignoriert
- Grundwasserstrukturmodell fehlerhaft
- Modellierte Absenkgebiete durch Pumpversuch viel zu klein
- Landwirtschaftliche Beweissicherung versagt
- Forstliche Beweissicherung irreführend
- Wasseralternativen vom Wasserverband verweigert
- Bis zum letzten Tropfen?!
Rückblick zum Pumpversuch in Lengerich-Handrup
Obwohl schon die ersten Pumpversuche in Lengerich-Handrup Mitte der 80er Jahre deutliche Grund-wasserabsenkungen gezeigt haben und obwohl die Bezirksregierung Weser-Ems Ende der 90er Jahre hier eine Erschließung aus hydrogeologischen Gründen abgelehnt hatte, beschloss der Wasserverband 2013, einen neuen Anlauf zu nehmen und in Lengerich-Handrup ein Trinkwasserfördergebiet mit eigenem Wasserwerk einzurichten.
In diesem Sinne stellte er 2016 einen Antrag auf einen 3-jährigen Pumpversuch, welcher vom Landkreis Emsland 2019 genehmigt und 2020 begonnen wurde. Im ersten Jahr wurden 0,5 Millionen m³ gefördert, im zweiten 1,0 und im dritten 1,5 Millionen: insgesamt also 3 Millionen m³. Zeitgleich war es in 2020 und 2022 sehr trocken, wie zuvor schon in 2018 und 2019.
Für mehr Details siehe Beitrag vom 8. April 2023 https://www.ag-unser-wasser.de/pumpversuche-bestaetigen-zusaetzliche-grundwasserfoerderung-geht-gar-nicht/
Auswertung des Pumpversuchs in Lengerich-Handrup
Die Auswertung des 3-stufigen Pumpversuchs dauerte deutlich länger als ursprünglich vorgesehen und genehmigt, nämlich 2 Jahre anstelle 6 Monate nach Beendigung der Wiederanstiegsphase. Als Gründe nennt der Wasserverband hierfür die bereits in den 80er und 90er Jahren erkannten schwierigen Boden- und Wasserverhältnisse sowie das ausgegebene Ziel einer langjährigen Dauerförderung von Grundwasser.
Bis heute ist aber dieses Ziel nicht mit den lokalen Gegebenheiten unter einen Hut zu bringen. Auch steht die finale Bewertung der Geologie und Hydrologie noch aus, wie das Nds. Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) jetzt, Anfang 2026, mitgeteilt hat, da wichtige Unterlagen vom Hydrogeologie-Gutachter des Wasserverbandes immer noch fehlen – mittlerweile 3 Jahre nach Beendigung der Pumpversuche.
Dennoch hat der WVLL bereits im Frühjar 2025, also noch vor Veröffentlichung der finalen Dokumente, in einer Hochglanzbroschüre resümiert, dass die langfristige Förderung in Lengerich-Handrup jetzt in Angriff genommen werden kann. Der Landkreis hat dieses Resümee “vorbehaltlich des abschließenden Nachweises der Prognosefähigkeit” des Grundwassermodells übernommen und im Amtsblatt Nr. 22 vom 13.06.2025 veröffentlicht.
Für mehr Details siehe Beitrag vom 30.April 2025 https://www.ag-unser-wasser.de/eilmeldung-mysterioes-auswertung-des-pumpversuchs-auch-2-jahre-nach-ende-immer-noch-offen/
Nachdem die meisten Pumpversuchsdokumente im Juni 2025 auf der Homepage des WVLL hochge-laden waren, haben wir diese studiert und zusätzliche landesbehördliche Aussagen angefragt und – soweit vorhanden – bewertet und thematisch aufbereitet. Alle Themen beginnen mit einer grafischen Einführung und werden dann textlich ausgeführt und erläutert. Das jeweilige Thema ist mit einer Fußzeile schattiert unterlegt, sie helfen bei der Navigation in den Themen.
- Pumpversuch zeigt: Wasserförderung in Lengerich-Handrup ungeeignet
Wir sehen ein erhebliches Konfliktpotential. Während die Wasserbedarfe für uns Menschen und die Lebensmittelproduktion steigen, wird immer weniger Grundwasser neu gebildet. Durch den Klima-wandel fällt weniger Niederschlag vor allem im Frühjahr und Sommer, er verdunstet schneller und löst Trockenstress aus für Fauna und Flora.
Details mit Fakten – Zusammenhänge – Konflikte – Optionen siehe: https://www.ag-unser-wasser.de/wp-content/uploads/2026/02/Infotafel_20260-v1.pdf – 2 Seiten
- Fließ-Wechselwirkungen vom Wasserverband abgestritten
Es gibt sogenannte hydraulische Fenster im hiesigen Becken zwischen den Wasserwerken Grums-mühlen im Westen und Ohrte im Osten. Diese gleichen einem Schweizer Käse und haben erhebliche Auswirkungen in der Tiefe wie auch in der Fläche.
Hauptproblem ist also: Lengerich-Handrup ist nicht ganz dicht. Dies ist näher erläutert in: https://www.ag-unser-wasser.de/wp-content/uploads/2026/02/Infotafel_20261-v1.pdf – 2 Seiten
- Sinkende Grundwasserstände vom Wasserverband ignoriert
Trotz Rekordniederschlägen 2024 von 1087 mm konnten die unterirdischen Wasserspeicher nicht wieder aufgefüllt werden – die Überförderung durch die Wasserwerke Grumsmühlen und Ohrte sowie durch den Pumpversuch in Lengerich-Handrup wurden nicht ausgleichen.
Eine nachhaltige Wasserförderung ist in Lengerich/Handrup nicht möglich; das zeigen wir in: https://www.ag-unser-wasser.de/wp-content/uploads/2026/02/Infotafel_20262-v1.pdf – 1 Seite
- Grundwasserstrukturmodell fehlerhaft
In den meisten Fällen wurde vom Wasserverbandsgutachter die wasserhemmende Schicht unterhalb des oberen Grundwasserleiters überbewertet. Allein dieser Umstand lässt vermuten, dass deutlich mehr oberflächennahes Grundwasser in die Förderetagen durchsickert als modelliert wurde. Die Absenkungen sind in Wirklichkeit also deutlich ausgedehnter und tiefer.
Unser Vergleich der realen Bohrdaten mit den Modellschichten bestätigt falsche Prognosen; siehe: https://www.ag-unser-wasser.de/wp-content/uploads/2026/02/Infotafel_20263-v1.pdf – 2 Seiten
- Modellierte Absenkgebiete durch Pumpversuch viel zu klein
Modellrechnungen basieren auf Daten und Details, mit denen der Gutachter sie füttert – aber welche? Betriebsgeheimnis! Die Kleinrechnung der flächenhaften Betroffenheit hat erhebliche Auswirkungen auf
förderbedingte Entschädigungen.
Wo sich förderbedingte, nach geheimen Algorithmen berechnete Absenkungen, auswirken, siehe https://www.ag-unser-wasser.de/wp-content/uploads/2026/02/Infotafel_20264-v1.pdf – 2 Seiten
- Landwirtschaftliche Beweissicherung versagt
Für die Beweissicherung der Ertragsausfälle während der 3. Pumpstufe 2022 ist die Bodenbewertung (Kartierung) des damaligen Nds. Landesamts für Bodenforschung (NLfB) gut geeignet. Stattdessen hat der Wasserverband eine Neukartierung durchführen lassen, welche zu deutlich geringer berechneten Ertragsausfällen geführt haben.
Die großen Diskrepanzen bei der Berechnung der Ertragsminderungen sind erläutert in https://www.ag-unser-wasser.de/wp-content/uploads/2026/02/Infotafel_20265-v1.pdf – 2 Seiten
- Forstliche Beweissicherung irreführend
Viele Waldgebiete sind vor Pumpbeginn nicht untersucht worden. Im finalen Bericht zum Pumpversuch wurden die Blattverluste nach der Wiederanstiegsphase 2023 mit der 3. Pumpstufe 2022 verglichen, nicht aber die maximalen Auswirkungen 2022 mit dem Nullzustand 2019 vor Beginn der 1. Pumpstufe.
Tatsächlich waren Blattverluste durch die Grundwasser-Förderung erkennbar aber nicht dargestellt: https://www.ag-unser-wasser.de/wp-content/uploads/2026/02/Infotafel_20266-v1.pdf – 2 Seiten
- Wasseralternativen vom Wasserverband verweigert
Nur ca. 50 % des im Emsland öffentlich geförderten Grundwassers wird tatsächlich als Trinkwasser benötigt, der Rest wird an die Industrie verkauft. Industriemittel statt Lebensmittel? Und das bei knapper werdenden Grundwasserressourcen! Dabei gibt es im Emsland reichlich Alternativen.
Die spürbare Wasserkrise zwingt zum Umdenken. Dass dies möglich ist, zeigen wir hier: https://www.ag-unser-wasser.de/wp-content/uploads/2026/02/Infotafel_20267-v1.pdf – 2 Seiten
- Bis zum letzten Tropfen?!
Der Klimawandel führt zu erhöhten Temperaturen und Verdunstungsraten vor allem im Frühjahr und Sommer. Bereits jetzt läuft uns das Wasser weg und verschwindet ganz.
Wollen wir das? Und wer erklärt das unseren Kindern?
Es ist unser aller Wasser! Aber wie lange noch? Dass wir gegensteuern können, sieht man in: https://www.ag-unser-wasser.de/wp-content/uploads/2026/02/Infotafel_20268-v1.pdf – 1 Seite
Als Fazit bleibt:
-
NEIN zu einem neuen Wasserfördergebiet!
-
JA zu nachhaltiger Trinkwassergewinnung!
-
Ressourcen jetzt und dauerhaft schonen!
Die AG Unser Wasser, im März 2026
Quellenangaben
siehe auf den einzelnen Themenseiten
Konzept und Gestaltung der 16seitigen Infotafeln: Josef und Heinrich Mönster
Herausgeber: AGUW, Im Raming 1, 49838 Lengerich, © 2026
Die Gesamtversion können Sie hier https://www.ag-unser-wasser.de/wp-content/uploads/2026/03/Infotafeln-auf-einem-Blick.pdf downloaden.












